Workshop-Abstracts

2 Halbtage, 1. Teil Freitag + 2. Teil Samstag, jeweils vormittags

  1. Sexualität und Partnerschaft
    Dr. Kurt Seikowski, Universitätmedizin Leipzig,
    Institut für Psychologische Therapie e.V. Leipzig

    Welche Relevanz haben Sexualität und Partnerschaft im Kontext der medizinischen Rehabilitation? Im Workshop werden die Funktionen von Sexualität und Partnerschaft und ihre Bedeutung für die Rehabilitation vorgestellt. Die Teilnehmer*innen erhalten einen Überblick über verhaltenstherapeutische Kurzinterventionen bei sexuellen und partnerschaftlichen Konflikten und eine kurze Einführung in die Themen “ungewöhnliche Sexualitäten” und Transsexualität. Der Workshop richtet sich sowohl an Anfänger als auch an Fortgeschrittene.
  2. Motivational Interviewing – Kommunikation auf Augenhöhe
    PD Dr. rer. nat. Ralf Demmel, Psychologischer Psychotherapeut (VT), seit 1999 Mitglied des Motivational Interviewing Network of Trainers, Präsident der deutschsprachigen Sektion
    Motivational Interviewing ist ein zugleich patientenzentriertes und direktives Verfahren. Die Klient*innen werden nicht »überzeugt« oder überredet, sondern vielmehr zu einem so genannten Change Talk – einem lauten Nachdenken über Veränderung – ermutigt (Möchte ich etwas verändern? Traue ich mir das zu? Warum sollte ich vielleicht etwas verändern? etc.). Veränderung wird nicht verordnet, sondern vielmehr in gegenseitigem Einvernehmen – auf Augenhöhe – vereinbart. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Motiven und persönlichen Werten soll den Anstoß zu einer Veränderung geben. Das Vorgehen stimmt weitgehend mit den Annahmen sozialpsychologischer Theorien – insbesondere der Theorie der Selbstbestimmung – überein. So wird beispielsweise angenommen, dass die Autonomie der Klient*in gefördert werden muss, um Ambivalenz und damit ein Verharren im Status quo zu überwinden.
    Am Ende dieses Workshops sind die Teilnehmer*innen mit den Grundlagen des Motivational Interviewing vertraut. Sie erhalten einen Überblick über die theoretischen Grundlagen und relevante Forschungsergebnisse. Die einzelnen Bestandteile des Behandlungsprozesses, wie Ziele definieren, Motivation wecken und Veränderungen initiieren, werden praxisnah besprochen
  3. Wie kann eine interdisziplinäre Verhaltensmodifikation konzeptionell gestaltet werden?
    Dr. Andrea Reusch, Dipl.-Psych., Zentrum Patientenschulung und Gesund-heitsförderung e.V. (ZePG), Würzburg
    Ein zentrales Ziel der Rehabilitation ist die Förderung eines gesundheitsbewussten und gesundheitsförderlichen Lebensstils. Die Rehabilitanden werden motiviert, sich mehr zu bewegen, gesünder zu essen oder einen besseren Umgang mit Stress zu finden. Zu diesen Themen werden in der Rehabilitation von verschiedenen Berufs-gruppen Angebote gemacht. Nicht immer werden dabei effektive Strategien der Verhaltensmodifikation genutzt.
    Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen haben eine hohe fachliche Expertise, wenn es um Verhaltensänderung geht. Der Workshop richtet sich deshalb an Reha-Psycholog*innen, die sich über interdisziplinäre Konzepte der Verhaltensmodifikation und neue Perspektiven der interdisziplinären Zusammenarbeit in Reha-Teams austauschen möchten. Flankierend zum Workshop wird es einen Vortrag zu diesem Thema geben.
  4. Beiträge der Psychologie zur sozialmedizinischen Leistungsbeurteilung
    Dr. Ulrike Worringen, DRV Bund, Abteilung Rehabilitation, Berlin
    Am Ende einer medizinischen Rehabilitation wird im ärztlichen Entlassungsbericht für die Rehabilitanden die sozialmedizinische Leistungsbeurteilung formuliert. Um alle Aspekte der funktionalen Fähigkeit und Teilhabefähigkeit fundiert beurteilen zu können, bedarf es einer engen fachlichen Zusammenarbeit im multidisziplinären Reha-Team. Im Workshop werden grundlegende Anforderungen an sozialmedizinische Stellungnahmen zur Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sowie die psychische Befundung vermittelt. Die Zielgruppe sind Psycholog*innen, die in der somatischen medizinischen Rehabilitation tätig sind.
  5. Die neue ICD-11: Was ändert sich zukünftig für die psychologische Diagnostik in der Rehabilitation – Einführung mit Praxisbeispiele
    Christoph Gensch M.A., Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie – Sozialmedi-zin, DRV Bund, Grundsatz und Querschnitt, Prävention und Sozialmedizin
    Zwar wird die Einführung der ICD-11 zur statistischen Erfassung von Krankheiten im deutschen Gesundheitssystem aufgrund der damit verbundenen Umstellungsprozesse u.a. für die Abrechnung noch einige Jahre benötigen. Aber die Einführung erfordert eine kontinuierliche Vorbereitung aller Anwendergruppen, so wird bereits in der klinischen Erforschung psychischer Störungen und vermutlich demnächst auch in der Begutachtung auf die neuen Diagnose-Kriterien zurückgegriffen werden. Da auch in der Laien- und Fachpresse vermehrt auf die neuen Krankheitsdefinitionen Bezug genommen wird und sich Behandelnde auf diese diagnostisch beziehen werden, ist es sinnvoll, sich bereits jetzt mit der neuen Systematik und den neuen Inhalten der Klassifikation zur Diagnose psychischer Störungen zu befassen.
    Im Workshop (wie auch im Vortrag) wird daher der Umstellungsprozess in Deutsch-land erläutert und neue oder veränderte Definitionen psychischer Störungen sowie erste Anwendungsbeispiele der ICD-11 werden dargestellt.
  6. Klimakrise – was wir als Psycholog*innen tun können
    Dipl.-Psych. Julia Scharnhorst MPH & Friedericke Knauss, BDP, Sektion Gesundheits-, Umwelt- und Schriftpsychologie, AG Klima und Psychologie
    Was hat die Psychologie mit dem Klimawandel zu tun? Und ist die Erderhitzung ein Thema für die Reha-Klinik? In diesem Workshop beschäftigen wir uns damit, wie das Thema Klimawandel und Psychologie im Setting der Reha-Klinik bearbeitet werden kann. Gerade Psycholog*innen können z. B. in einer Klinik Anregungen geben, wie die Umgebung (Gebäude und Außengelände) zu gestalten sind, damit sie gesundheitsförderlich wirkt. Die internen Abläufe einer Klinik können möglicherweise klimafreundlicher gestaltet werden.
    Auch die Patienten können betroffen sein. Viele Menschen sind zurzeit von Sorgen und Ängsten geplagt, wie es mit dieser Welt weitergeht. Das kann bis zu manifesten psychischen Störungen (Depressionen, Angststörungen) gehen. Es werden Strategien erarbeitet, wie mit solchen Ängsten umgegangen werden kann. Menschen möchten sich klimafreundlicher verhalten, haben aber damit Probleme. Für diese werden Möglichkeiten gesucht, wie sie ihr eigenes Verhalten verändern können.
    Dieser Workshop eignet sich für Anfänger*innen und Fortgeschrittene. Es werden die Bezüge zwischen Psychologie und Aktivitäten gegen den Klimawandel hergestellt. Gemeinsam sollen Strategien erarbeitet werden, die sich insbesondere im Setting einer Reha-Klinik und in der Arbeit mit Patienten umsetzen lassen.
  7. (Arbeits-)Fähigkeitsbeschreibung und Therapiezielplanung mit dem Mini-ICF-APP
    Prof. Dr. Beate Muschalla, TU Braunschweig, Institut für Psychologie
    Die Bedeutung einer Krankheit hängt nicht nur von der Art und Schwere der Symptomatik ab, sondern ebenso von den daraus erwachsenden Fähigkeitsbeeinträchtigungen und den Folgen für die Lebensführung. Die Abgrenzung zwischen Krankheit und Krankheitsfolgen ist bei somatischen Erkrankungen, die mit psychischen Begleitsymptomen einhergehen, eine besondere Herausforderung. Ein etabliertes Instrument, das an dieser Schnittstelle zum Einsatz kommt, ist das „Mini-ICF-Rating für Aktivitäts- und Partizipationsbeeinträchtigungen bei Psychischen Erkrankungen (Mini-ICF-APP)“ (Linden et al., 2009; AWMF, 2019). Im Sinne einer „Gliederung für einen Fähigkeitsbefund“ gibt das Mini-ICF-APP psychische Fähigkeitsdimensionen vor, die bei Patienten mit chronischen somatischen Erkrankungen beeinträchtigt sein können. In dem Workshop wird eine Einführung in die Unterscheidung von Sympto-matik, Fähigkeit, Kontext und Teilhabe gegeben. Mithilfe von Videobeispielen und anhand von Praxisfällen wird die Diagnostik von Fähigkeitsbeeinträchtigungen und sozialmedizinische Bewertung auf Basis des Mini-ICF-APP eingeübt. Die praxisbe-zogene Anwendung des Mini-ICF-APP und die Übertragung in den sozialmedizini-schen Befund anhand von Praxisbeispielen und Videos geübt werden.
    Teil 1: Einführung in die ICF und Einführung in die Mini-ICF-APP Fähigkeits-Dimensionen
    Teil 2: Rating anhand von Beispielen und Übertragung der Mini-ICF-APP-Ratings in einen sozialmedizinischen Befund mit Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit